Zur Geschichte der Adressbücher

1. Geschichte des Adressbuches

a. Das Schreibersche Adressbuch 1790 – 1854

Das Bremische Adressbuch wurde von dem Verleger Caspar Hinrich Schreiber seit 1790 herausgegeben. Erhalten ist jedoch als ältestes erst das „Bremische-Adreßbuch-Buch“ von 1794 in der Staats- und Universitätsbibliothek mit 115 Seiten. Im selben Jahr entstand als Konkurrenz ein „Bremischer Handlungs-Addreß-Calender“ beim Verleger Huntemann dem Jüngeren mit 95 Seiten, der sich nicht durchsetzte; ein Exemplar ist im Focke-Museum erhalten.

Das nächstälteste, das erhalten ist, von 1796, genannt „Neues Bremisches Addreß-Buch“, wieder von Schreiber, ist durch einen 1929 von Hermann Entholt herausgegebenen Faksimiledruck gesichert[i]. Damit beginnt eine kontinuierlich erhaltene Folge von Adressbüchern, bei der die Jahrgänge 1798 – 1800 allerdings nicht von Schreiber, sondern von seinem Konkurrenten Joh. Georg Friedr. Koch stammen und sich durch Titel („Neu eingerichtetes Bremisches Address-Buch“ bzw. „Addreß-Buch der Kaiserl. fr. Reichs- und Hanse-Stadt Bremen“) und Anordnung von den Schreiberschen Adressbüchern deutlich unterscheiden. Aus dem Jahre 1798 ist daneben auch das „Schreibersche Adreßbuch“ mit einem Exemplar im Focke-Museum erhalten.

Als Schreiber 1813 starb, konnte seine Witwe das „Neue Bremische Adreß-Buch“ fortsetzen, seit 1818 unter dem Titel „Bremisches Adreß-Buch“. 1815 wurde ein Straßenteil hinzugefügt, der den Umfang von 240 auf 326 Seiten anschwellen ließ, 1821 wurde das Format vergrößert. Gedruckt wurde es 1814 bzw. seit 1816 bei Carl Schünemann. 1844 ging der Verlag auf den Sohn Joh. Heinr. Schreiber über. Seit 1848 wurden auch Adressen aus Vegesack und Bremerhaven aufgenommen. Entsprechend dem Wachstum der Stadt, aber auch durch Einbeziehung weiterer Bevölkerungs­gruppen, schwoll der Umfang von 282 Seiten im Jahre 1821 auf 531 Seiten im Jahre 1853 an. 1854 erschien es mit leicht verringertem Umfang zum letzten Mal, das Focke-Museum besitzt ein Exemplar davon.

b. Das Stracksche Adressbuch 1854 – 1903

1854 wagte Heinrich Strack die Herausgabe eines neuen Adressbuches unter dem Titel „Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen“, das sich durchsetzte. Strack vergrößerte das Format, wodurch sich der Seitenumfang zunächst auf 300 Seiten verringern konnte, und veränderte die Anordnung des Adressbuches: Die Behörden, die bisher am Anfang gestanden hatten, stellte er hinter den Einwohner- und Straßenteil. Die Straßen wurden rein alphabetisch angeordnet und nicht mehr nach Altstadt, Neustadt und Vorstadt getrennt. Auf die Adressen von Bremerhaven und Vegesack verzichtete Strack zunächst, nahm sie aber bereits 1855 wieder auf. Seit 1860 kam das auch im Titel zum Ausdruck: „Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen und der Hafenstädte Bremerhaven und Vegesack“. Seit 1864 wurde auch Geestemünde berücksichtigt; dementsprechend lautete der Titel 1865 „Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen und der Hafenstädte Vegesack, Bremerhaven, Geestemünde“. Eine weitere Änderung war 1857 die Voranstellung eines Anzeigenteils, der seit 1865 „Geschäfts-Anzeiger“ genannt wurde. Der Umfang wuchs bis 1873 auf über 500  Seiten. 1873 übernahm H. M. Hauschild den Druck, den vorher Strack selbst besorgt hatte.

Seit 1874 war Moritz Heinsius Herausgeber. Er wandelte den Titel leicht ab in „Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen und der Hafenstädte Bremerhaven, Geestemünde, Vegesack“, beließ aber sonst alles beim Alten. 1880 übernahm der den Druck selbst. 1884 setzte er einen „Fremdenführer durch Bremen an die Spitze, fügte die Adressen des Landgebietes ein und erweiterte sogleich den Titel zu „Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen, des Landgebietes und der Hafenstädte Bremerhaven, Geestemünde, Vegesack“. Dabei blieb es längere Zeit außer 1890, als der nunmehrige Verlag M. Heinsius Nachf. hinter Geestemünde „mit Geestendorf“ ergänzte.

Beim Verlag M. Heinsius Nachf. zeichnete seit 1893 Robert Lindner als Herausgeber. Er variierte 1898 den Titel in „Adreß-Buch der freien Hansestadt, der Hafenstädte Bremerhaven, Geestemünde und Vegesack und des Landgebietes“. 1899 setzte Richard Landmann Herausgabe, Verlag und Druck unter eigener Firma fort, wobei er Titel und Anordnung beibehielt. Der Umfang stieg im Laufe der Zeit gewaltig: 1884 betrug er 710, 1891 850, 1897 bereits 1000 Seiten, 1903 war er bei 1300 Seiten angelangt. Seit etwa 1860 erschienen im Laufe des Jahres gesonderte Nachträge, die den laufenden Jahrgang aktualisierten.

c. Das ältere Schünemannsche Adressbuch 1904 – 1942

Seit 1904 wird das Adressbuch vom Verlag Carl Schünemann herausgegeben, gedruckt und verlegt. Er änderte zunächst den Titel in „Bremer Adreßbuch“ mit dem Untertitel „Adreßbuch der freien Hansestadt Bremen, des Landgebiets und Vegesacks, nebst Firmenverzeichnis von Bremerhaven“. Die Einwohneradressen von Bremerhaven und Geestemünde waren also nun entfallen. Für sie erschienen nun eigene Adressbücher in Bremerhaven. Nur Behörden und Firmen von Bremerhaven wurden im Bremer Adressbuch weiterhin aufgeführt. Im Übrigen blieb auf lange Zeit alles beim Alten; auch den 1. Weltkrieg hindurch erschien das Adressbuch jährlich in alter Form. Die jährlichen Nachträge wurden 1918 eingestellt, sie erschienen wieder wie vor 1854 nach vorn gerückt.

Das Erscheinungsbild änderte sich einschneidend 1930, als das Adressbuch auf ein größeres Format und vom 2 – 3 auf den 3 – 5 spaltigen Druck umgestellt wurde. Damit konnte der Umfang, der von 1070 Seiten im Jahre 1904 auf über 1850 Seiten gestiegen war, auf 900 Seiten gesenkt werden. 1932 entfiele die Bremerhavener Adressen ganz; der Titel lautete nun: „Bremer Adreßbuch. Adreßbuch der freien (seit 1934: Freien) Hansestadt Bremen, des Landgebiets und Vegesacks“ bzw. seit 1937: „(…) Vegesack und des Landgebiets“. Die Gebietsveränderungen von 1939 wirkten sich erst 1941 auch auf den Inhalt aus, als auch die Einwohner von Blumenthal, Lesum, Hemelingen usw. einbezogen wurden. Auch die wenigen Einwohner des bei Bremen gebliebenen Hafengebiets von Bremerhaven wurden nun wieder ins Adressbuch aufgenommen, dessen Titel jetzt lautete: „Bremer Adreßbuch. Adreßbuch der Freien Hansestadt Bremen, Bremerhaven und des Landgebiets“. Der Umfang wuchs von 970 auf 1130 Seiten. 1942 erschien die vorläufig letzte Ausgabe mit 1172 Seiten. Danach sorgten Krieg und Nachkriegsnot für eine längere Unterbrechung.

d. Das Schünemannsche Adressbuch 1948 – 1979

Erst 1948 konnte der Verlag Carl Schünemann wieder einen schmalen Band (mit weniger als 150 Seiten) unter dem Titel „Bremer Branchen-Adressbuch mit Behördenverzeichnis“ herausbringen. Es enthält außer einem Anzeigenteil wirklich nur den Branchenteil und ein Behördenverzeichnis, war also kein eigentliches Adressbuch. Mit einem alphabetischen Einwohnerverzeichnis erschien das „Bremer Adreßbuch. Bremen-Stadt und Landgebiet“ erst wieder 1950. Die Behörden und Vereine stehen am Schluss, ein Straßenteil fehlte noch. Im folgenden Jahr erschien das „Bremer Adreßbuch 1951“ erstmals wieder vollständig: Nach Informations- und Werbeteil folgten Einwohner, Straßen, Branchen  und zum Schluss Behörden und Vereine. 1954 rückten Behörden und Vereine wieder vor die Einwohner, 1956 wurden auch die Branchen vor die Einwohner gesetzt. Dabei blieb es bis zum Jahr 1979. Der Umfang stieg von ca. 1150 (im Jahre 1951) auf ca. 1640 Seiten (1979).

e. Das Schünemannsche Adressbuch seit 1980

Von 1980 bis 1986 erschien das Bremer Adressbuch jeweils in zwei Bänden; einem Einwohneradressbuch (Band 1) und einem Geschäftsadressbuch (Band 2)[ii]. Das Geschäftsadressbuch enthält seitdem neben dem Branchenverzeichnis ein alphabetisches Firmenverzeichnis. Der Umfang des Einwohneradressbuches (mit Namen- und Straßenteil) schwankte zwischen 1100 und 1400 Seiten. Das Geschäftsadressbuch (mit Informations- bzw. Werbeteil, Behörden-, Firmen- und Branchenverzeichnis) hatte etwa 300 Seiten.

Seit dem Jahrgang 1987/88 sind beide Teile unter dem Titel „Bremer Adressbuch auch Bremer Geschäftsadressbuch“ wieder vereinigt, wobei der Inhalt des Geschäftsadressbuches voransteht. Der Umfang wird durch siebenspaltigen Druck im Einwohner-Namensteil und neunspaltigen Druck im Straßenteil in Grenzen gehalten. Er beträgt etwa 1380 Seiten (Jahrgang 1988/89). Neu eingeführt ist ein farbiger Stadtplan 1:25000 mit Straßenverzeichnis zwischen Einwohner- und Straßenteil.

2. Inhalt, Gliederung, Quellen

Die Hauptbestandteile des Adressbuches bildeten im Allgemeinen

·         das Behördenverzeichnis

·         das Einwohnerverzeichnis

·         seit 1798 das Branchenverzeichnis

·         seit 1815 das Straßenverzeichnis

Unter Behörden sind auch sonstige öffentliche, kirchliche und private Einrichtungen zu verstehen. Seit 1872 sind auch Vereine berücksichtigt. Ferner sind zumeist ein Anzeigen- und ein allgemeiner Informationsteil vorhanden. Schiffslisten sind 1797 – 1807, 1815 – 1915, 1930 – 1939, 1959 – 1964 eingefügt[iii], 1801 – 1804 sogar Listen der eingekommenen Schiffe. Ein alphabetisches Firmen­verzeich­nis gibt es erst seit 1980.

Die Adressen von Vegesack sind 1848 – 1940 gesondert aufgeführt, danach sind sie ebenso wie die der übrigen Stadtteile in Bremen-Nord sowie Hemelingen, Arbergen und Mahndorf im Bremer Einwohnerverzeichnis enthalten. Die Adressen  von Bremerhaven sind 1848 – 1903 angegeben. Danach sind nur noch die Bremerhavener Firmen genannt. Die Hemelinger Firmen finden sich von 1891 – 1900. Die Adressen des Bremer Landgebietes sind 1884 – 1942 gesondert verzeichnet, nach dem Kriege war dieses Gebiet Teil der Stadt.

Die Adressbücher der Gemeinden, die 1939 nach Bremen eingemeindet wurden, sind bisher nicht vollständig erfasst. Das Staatsarchiv Bremen besitzt nur ein Adressbuch von Vegesack für 1853, ein Adressbuch für Hemelingen von 1903, für den Kreis Achim von ca. 1925 und für Hemelingen-Arbergen von 1938. Außerdem sind Adressbücher für Bremerhaven mit (Geestemünde, Lehe und Wulsdorf) auf die Jahre 1904, 1906, 1908, 1909, 1914 sowie 1949/50 und 1952/53 vorhanden.

Das Einwohnerverzeichnis hat nie sämtliche Einwohner erfasst. Anfangs sollte es lange nur „Gelehrte, Kaufleute, Krämer, Fabrikanten etc.“ enthalten, tatsächlich waren es etwa 10% der Einwohnerschaft. Der Anteil wurde in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts auf etwa 20% und 1854 auf etwa 25% der Bevölkerung gesteigert. Dabei ist nicht klar, welche Teile der Bevölkerung neben Ehefrauen und Kindern ausgeschlossen waren. Seit etwa 1825 waren wohl die Haushaltungsvorstände im Wesentlichen erfasst. Allerdings stieg das Verhältnis der Eintragungen zur Bevölkerungszahl um 1925 weiter auf 30% und 1950 sogar auf fast 50% an, ohne dass bis dahin Ehefrauen und Kinder einbezogen waren. Zum Teil ist dies mit einem Anstieg der Firmen-, Vereins- und Verwaltungs­­adressen zu erklären. Erst 1980 wurden auch die Ehefrauen aufgenommen, nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bleiben weiterhin ausgeschlossen, so dass nun etwa 80% der Namen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl erfasst sind. Allerdings wird seit 1980 die Berufsangabe weggelassen, so dass Identifizierungen von Personen erschwert sind.

Es ist schwierig festzustellen, wie die Adressbuchverlage sich in älterer Zeit die nötigen Informationen beschafften. Zum großen Teil waren sie wohl auf eigene Erhebungen angewiesen, dazu traten Auskünfte der Behörden. Diese wurden für den Behördenteil, für die Firmen aus dem Handelsregister und möglicherweise auch darüber hinaus verwendet. 1854 ist angeben, dass Firmen nach Mitteilung des Handelsgerichts aufgenommen sind und die Gewerbe mit Hilfe von Fragebögen zusammengestellt wurden. 1885 wurde das Einwohnermelderegister in Bremen eingerichtet. Dieses bot für das Einwohnerverzeichnis des Adressbuches eine bequeme Grundlage. Doch ist die Abhängigkeit der Adressbücher vom Meldewesen (mit all dessen Lücken und Fehlern) bisher nicht untersucht. Mit dem Straßenteil und zusätzlichen Erhebungen sowie Mitteilungen der Betroffenen besaßen die Redaktionen offenbar auch eigene Kontrollmöglichkeiten. Erst nach gründlicher Untersuchung könnte auch über die Zuverlässigkeit der Adressbücher begründet geurteilt werden. Da sich die Adressbücher im täglichen Gebrauch zu bewähren hatten und offenbar nach den ersten drei Jahrzehnten auch bewährt haben, kann ihre Zuverlässigkeit im Allgemeinen hoch eingeschätzt werden. Andererseits ist mit Irrtümern, Druckfehlern, Unvollständigkeit im Einzelnen sowie mit Verzögerungen bei der Aufnahme, Änderung und Löschung der Daten stets zu rechnen.

In der Regel sollten die Adressbücher den Stand vom Anfang des angegebenen Jahres wiedergeben. Soweit besondere Nachtragshefte erschienen sind, also besonders 1860 – 1918, war für sie meist der 1. Juli der Stichtag.

Adolf E. Hofmeister, Bremen 1989

[i] Das Bremer Adreßbuch von 1796. Hrsg. von Hermann Entholt. Leipzig 1929. (Sonderveröffentlichungen der Ostfälischen Familienkundlichen Kommission. Nr. 2)

[ii] Der Jahrgang 1980 wurde kritisch rezensiert von Wilhelm Lührs, in: Bremisches Jahrbuch 58, 1980, S. 326 - 329

[iii] Die Schiffslisten von 1797 – 1914 sind im Staatsarchiv Bremen zur leichteren Benutzung in drei Bänden gesondert zusammengestellt.

Nach oben