Ortsfamilienbuch Schwanewede

Dieses Ortsfamilienbuch wure von Johann Wellmann für Die MAUS erstellt.
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Schwanewede

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Unmittelbar an Bremen-Nord angrenzend liegt der Ort Schwanewede, in früheren Zeiten ein reines Bauerndorf, heute eine aufstrebende Großgemeinde und seit 1974 Mittelpunkt der umliegenden Ortschaften Beckedorf, Leuchtenburg, Löhnhorst, Eggestedt, Brundorf, Neuenkirchen, Hinnebeck, Rade, Aschwarden, Meyenburg und der Weserinsel Harriersand.

Erstmals urkundlich erwähnt ist Schwanewede in einer Urkunde aus dem Jahre 1203, worin der Name eines Borchardus de Schwanewede genannt wird. Die von Schwanewede hatten in ihrem Wappen die Darstellung des Schwanes und „wede“ kann ein altes Wort für Wald sein. Mit dem Tode von Nicolaus Heinrich von Schwanewede am 12. Februar 1827 erlosch das Geschlecht in seinem Herkunftsort, wo es nachweislich 600 Jahre lang ansässig war.

Mittelpunkt des Ortes war und ist die Kirche. Die erste in Schwanewede erbaute Kirche stand aber an anderer Stelle, und zwar in der Nähe der Beeke beim ehemaligen Pfarrhaus an der Loge. Sie ist für die Jahre 1334, 1384 und 1420 als Patronatskapelle der Herren von Schwanewede bezeugt.

Eine weitere Kapelle gab es, die bis zum Jahre 1636 an der Südseite des Spreeken gestanden haben soll. Beim Bau des dortigen Mausoleums fand man einen alten Urnenfriedhof.

Burghard von Schwanewede hatte, als er 1580 starb, den Wunsch, nicht in dem feuchten Grund bei der Kapelle beerdigt zu werden. Dieser Wunsch war wohl seinem Bruder Siegfried Veranlassung, eine neue Kirche zu bauen. Als Platz wählte man einen Hügel, auf dem die von den Bremern im Jahre 1305 zerstörte Burg einmal gestanden hatte.

Nach 180 Jahren wurde 1761 eine neue Kirche erbaut, an der Südseite des Hügels, auf Gewölben, in denen die Gutsherren im Tode ihre Ruhe fanden. Sie besteht aus einem langgestreckten Einraum ohne Apsis und Seitenschiffe. Der Altarraum ist etwas angehoben, die Kanzel befindet sich über dem Altar, wie es im 18. Jahrhundert üblich war. Altar und Kanzel sind mit wenigen Schnitzereien aus Holz gearbeitet. Der Kanzeldeckel klingt aus in einer strahlenförmigen Sonne mit den hebräischen Buchstaben JAHVE,  ICH BIN MIT DIR! Rechts und links sieht man das Wappen der Erbauer dieser Kirche, den Herren von Schwanewede.

Der Turm der Kirche ist weithin sichtbar. Der Turmhelmaufsatz zeigt die Wetterfahne mit dem Schwan und den Jahreszahlen 1761 (Baujahr) und 1983 (Jahr der letzten Renovierung). Über der Wetterfahne ist das Kreuz befestigt. Der Schwan ist sowohl als protestantisches Christussymbol wie auch als Zeichen des Ortes Schwanewede zu werten. Die Vorderfront des Turmes ziert eine kunstvoll gestaltete Eingangstür (ein Meisterstück eines Schwanewede Tischlers von 1936). Das mit Ziegeln gestaltete Dreieck darüber ist ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit. Pastor Hashagen ließ 1870 in die Außenwand des Turmes die Gründungsurkunde der Kirche einmauern. Sie gibt in lateinischer Sprache Auskunft über die Patrone, ihren Rang und ihre Ämter, die diesen „Neubau“ der Kirche finanzierten. Der Text endet mit den Worten: DES HERREN WORT BLEIBT EWIGKEIT. Aus der Bauzeit stammt auch das gemauerte Rondell mit dem Kreuzeszeichen an allen drei Seiten des Turmes.

Während des Krieges hatte die einzige Glocke abgeliefert werden müssen. 1959 wurden drei neue Glocken geweiht, gestiftet durch Spenden der Gemeindemitglieder. Der Glockenstuhl war erneuert worden, um ohne Gefahr die alte und die drei neuen Glocken tragen zu können. DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN - daran erinnert die größte der Glocken. Die zweite Glocke, das ist die alte verbliebene, die seit 1900 im Turm hängt, sie trägt die Namen der damaligen Kirchenvorsteher und des Stifters und ist die Betglocke. Die Hochzeitsglocke ruft dem Brautpaar zu: DURCH DIE LIEBE DIENE EINER DEM ANDEREN! WER DA GLAUBET UND GETAUFT WIRD, DER SOLL SELIG WERDEN - dazu ruft die vierte Glocke zu Taufe und Kindergottesdienst. Die fünfte Glocke ist die Uhrschlagglocke. Sie hängt außen am Turm und mahnt zu jeder Stunde, was ihre Inschrift besagt: BETE UND ARBEITE.

Im Kircheninneren wird der Blick zentral auf den Kanzelaltar und die bunten Glasfenster mit den vier Evangelisten  und den Namen der Gefallenen des zweiten Weltkrieges gelenkt. Der älteste Gegenstand in der Kirche ist das "Taufgerät". Wie anders könnte man diese auf eisernen Füßen stehende und von Schwänen ummantelte Taufschale nebst Deckel benennen. Es stand früher mit einem eisernen Dorn links am Altar befestigt und bekam erst in der Neuzeit einen eisernen Standfuß. Er stammt aus dem Jahr des Kirchenbaus von 1761 und wird heute noch benutzt. Bereits aus der alten Kirche übernommen wurden die Abendmahlsgeräte, der silberne Kelch wurde 1620 gestiftet, silberne Hostienschale und Hostiendose etwas später. Noch heute sind diese Abendmahlsgeräte in Gebrauch. Eine Orgel war in den Anfangsjahren nicht vorhanden. Erst 1863 begleitete ein Harmonium den Gemeindegesang, das im Jahre 1907 durch eine kleine Orgel abgelöst wurde. 1956 konnte dann eine mechanische Schleifladen-Orgel mit Hauptteil und zwölf Registern eingeweiht werden.

Quelle: Kirchenchronik